Die Nachtkerze – stille Heilkraft der Dämmerung
Die Gemeine Nachtkerze (Oenothera biennis) ist eine robuste, unscheinbare Wildpflanze – und doch eine der bedeutendsten Heilpflanzen unserer Zeit („Heilpflanze des Jahres 2026“). Ihre leuchtend gelben Blüten öffnen sich erst in der Dämmerung, fast lautlos, aber eindrucksvoll. Genau diese stille Kraft spiegelt auch ihre Wirkung wider: nicht spektakulär, sondern tiefgehend, regulierend und unterstützend.
Besonders begehrt sind ihre Samen, aus denen das Nachtkerzenöl gewonnen wird – ein Öl, das Volksheilkunde, moderne Naturheilkunde, Dermatologie und Ernährung miteinander verbindet.
🌱 Warum die Nachtkerze so besonders ist
Die Samen der Nachtkerze enthalten große Mengen an Linolsäure und vor allem Gamma-Linolensäure (GLA) – eine mehrfach ungesättigte Fettsäure mit entzündungshemmendem Potenzial. Diese Fettsäure ist ein zentraler Baustein für gesunde Zellmembranen und eine stabile Hautbarriere.
Die Nachtkerze vereint mehrere Ebenen:
- traditionelle Volksheilkund
- moderne naturheilkundliche Anwendungen
- ökologische Bedeutung als Insektenpflanze
- kulinarische Nutzung als Wildpflanze
🌿 Volksheilkundliche und medizinische Anwendungen
Am besten belegt ist die Anwendung von standardisierten Nachtkerzenöl-Präparaten bei Neurodermitis. Sowohl innerlich als auch äußerlich eingesetzt, kann das Öl:
- Juckreiz lindern
- trockene und entzündete Haut beruhigen
- die Hautbarriere unterstützen
Darüber hinaus wird Nachtkerzenöl in der Naturheilkunde traditionell eingesetzt bei:
- PMS und zyklusbedingten Beschwerden
- Wechseljahresbeschwerden
- Frauenleiden allgemein
- rheumatischen Beschwerden
- kindlicher Hyperaktivität und Konzentrationsproblemen
- Allergien
- erhöhten Cholesterinwerten
In der klassischen Volksheilkunde wurden außerdem Tees aus den Blättern der Nachtkerze bei Magen-Darm-Beschwerden und Verdauungsstörungen verwendet.
🔬 Wirkung & Studienlage
Die Gamma-Linolensäure der Nachtkerze unterstützt:
- die Regeneration der Haut
- die Dämpfung entzündlicher Prozesse
- die Stabilisierung der Hautbarriere
Daher erscheint eine Kombination aus innerlicher und äußerlicher Anwendung aus naturheilkundlicher Sicht sinnvoll.
Eine placebokontrollierte Studie mit Frauen in den Wechseljahren zeigte, dass die Einnahme von 500 mg Nachtkerzenöl über sechs Wochen die Stärke von Hitzewallungen reduzieren konnte. Die Häufigkeit und Dauer der Beschwerden veränderten sich jedoch nur gering.
Offizielle Stellen erkennen die innerliche Anwendung bei trockener, juckender Haut aufgrund langjähriger Erfahrung an, weisen jedoch darauf hin, dass die Studienlage teilweise widersprüchlich ist und viele Einsatzgebiete der Volksmedizin zuzuordnen sind.
🌾 Anwendung in Praxis & Alltag
🌼 Innerlich
- als Öl oder Kapseln, meist kurweise über mehrere Wochen
- z. B. bei Hauterkrankungen oder hormonellen Schwankungen
- Dosierung stets nach Produktangaben oder fachlicher Empfehlung
🌼 Äußerlich
- reines Nachtkerzenöl oder in Cremes und Salben
- besonders bei trockener, gereizter, reifer oder zu Ekzemen neigender Haut
- häufig Bestandteil pharmazeutischer und naturkosmetischer Produkte
🌼 In der Küche & als Wildpflanze
- junge Blätter als mildes Wildgemüse
- Blüten für Salate oder Süßspeisen
- Knospen kurz gedünstet
- Samen als Grundlage für das wertvolle Öl
⚠️ Sicherheit & Hinweise
Die Nachtkerze gilt grundsätzlich als ungiftig und essbar.
Mögliche Nebenwirkungen von Präparaten sind:
- gelegentliche Magen-Darm-Beschwerden
- selten allergische Reaktionen
Menschen mit schweren Grunderkrankungen, bei gleichzeitiger Medikamenteneinnahme, Schwangere und Kinder sollten eine längere innerliche Anwendung mit Ärztin, Arzt oder Therapeut:in abklären.
🌿 Fazit
Die Nachtkerze ist eine Pflanze der Balance:
Sie verbindet altes Wissen mit moderner Forschung, wirkt regulierend statt unterdrückend und zeigt, wie kraftvoll eine unscheinbare Wildpflanze sein kann. Besonders für Haut, Hormonhaushalt und entzündliche Prozesse hat sie sich einen festen Platz in der Naturheilkunde verdient. 🌼 Eine Heilpflanze, die nicht laut wirkt – sondern nachhaltig.


