Mispeln

Die Mispel – ein vergessenes Wildobst

Die Mispel ist eine Obstart, die inzwischen in Vergessenheit geraten ist. Nur selten findet man sie noch in unseren Küchen und Speiseplänen. Was kaum jemand weiß – sie blickt auf eine lange Tradition zurück. Schon in Mittelalter war die Mispel in Europa weit verbreitet und galt damals als wichtige Quelle für Vitamine in der kalten Jahreszeit. Heute stammen die meisten Mispel Früchte auf dem Markt aus Asien. In unserer Region findet man sie aber manchmal noch in Gärten, denn sie blüht im Frühling schön weiß und ist deshalb auch ein gern gepflanztes Ziergehölz.

Die Mispel ist ein kleiner, robuster Baum oder Strauch, der zur Familie der Rosengewächse gehört. Die Früchte sind braun, haben eine etwas lederartige Schale und sehen auf den ersten Blick – verglichen mit einem Apfel – nicht sehr appetitlich aus. Sie reifen erst spät im Jahr, meist erst Ende Oktober oder im November. Sobald es in der Nacht beginnt zu gefrieren, sollte man sie ernten. Der Geschmack der Mispelfrüchte ist herb, solange sie noch hart sind. Vollreif werden sie erst nach den ersten Nachtfrösten, oder einer kurzen Lagerzeit. Dann wird das Fruchtfleisch weich, bräunlich und süß. Erst dann schmecken sie lecker.

Die vollreifen Mispeln mit ihrem würzig-süßlichen Geschmack eignen sich für verschiedene Verwendungen, wie zum Beispiel Marmelade, Gelee, Likör, Chutneys, Fruchtleder oder als Zusatz für Backwaren.

In der Naturheilkunde wurde die Mispel, die neben Vitamin C auch Mineralien und Gerbstoffe enthält, früher beispielsweise bei Verdauungsstörungen, Entzündungen, zur Unterstützung des Immunsystems und bei Erkältungen eingesetzt. Die enthaltenen Gerbstoffe können beispielsweise bei Durchfall oder Entzündungen unterstützen. Hildegard von Bingen wusste um die wertvollen Eigenschaften der Mispel und hat sie sowohl für Gesunde als auch Kranke empfohlen, weil sie ihr blutreinigende und kräftigende Eigenschaften zuschrieb. Heute ist ihre Anwendung in der modernen Phytotherapie weniger bekannt.

Text und Bild von Sabine Strassmair MSc