Heilkraft aus der Tasse
🌿Kräutertees für die kalte Jahreszeit
Wenn draußen die Temperaturen sinken, steht bei vielen wieder der Wasserkocher öfter auf dem Herd. Eine Tasse warmer Kräutertee gehört einfach zur kalten Jahreszeit. Bei den ersten Anzeichen einer Erkältung tut schon die Wärme gut. Dazu kommen die Eigenschaften der Pflanzen, die seit Generationen in der Volksheilkunde genutzt werden. Gerade bei Husten und verschleimten Atemwegen haben sich einige heimische Kräuter einen festen Platz in der Kräuterküche erobert.
Holunderblüten – der Klassiker aus dem Bauerngarten
Holunderblüten (Sambucus nigra) gehören zu den bekannten traditionellen Erkältungskräutern. In der Volksheilkunde wurde Holunderblütentee gerne getrunken, wenn sich eine Erkältung ankündigte. Der warme Tee passt besonders gut zu kalten Tagen. Häufig wird er auch als sogenannter Schwitztee verwendet. Die Blüten werden kurz vor dem vollständigen Aufblühen gesammelt und vorsichtig getrocknet. Getrocknete Holunderblüten sollten trocken und lichtgeschützt aufbewahrt werden.
Thymian – kräftig im Geschmack
Thymian (Thymus vulgaris) kennt man vor allem aus der Küche. Als Heilpflanze hat er eine lange Tradition. Seine ätherischen Öle geben dem Tee den typischen kräftigen Geschmack. In der Volksheilkunde wird Thymian traditionell bei Husten und Beschwerden der Atemwege verwendet. Gerade bei verschleimtem Husten findet man Thymian deshalb in vielen klassischen Kräutermischungen.
Spitzwegerich – unscheinbar und altbewährt
Der Spitzwegerich (Plantago lanceolata) wächst auf Wiesen, an Wegrändern und auf vielen Kräuterwiesen. Für die Volksheilkunde ist er seit langer Zeit interessant. Traditionell wird Spitzwegerich bei gereizten Atemwegen und Husten eingesetzt. Sein Geschmack ist deutlich milder als der von Thymian und passt deshalb gut in eine gemischte Teemischung. Wer Spitzwegerich selbst sammelt, sollte nur Pflanzen von unbelasteten Standorten verwenden.
Schlüsselblume und Lindenblüte
Auch Schlüsselblume und Lindenblüte gehören zu den bekannten Pflanzen der traditionellen Erkältungsküche. Die Schlüsselblume (Primula veris) wird vor allem wegen ihrer Saponine geschätzt. In der Volksheilkunde wird sie traditionell bei verschleimtem Husten verwendet. Lindenblüten werden dagegen gerne als warmer Tee getrunken, besonders in der kalten Jahreszeit. Ihr feiner Geschmack macht sie zu einem beliebten Bestandteil verschiedener Teemischungen.
Fenchel und Anis – ein guter Partner für Kräutermischungen
Fenchel und Anis kennt man nicht nur aus der Küche. Die Samen enthalten ätherische Öle und werden traditionell vor allem bei Husten und verschleimten Atemwegen verwendet. Für einen Tee werden die Samen am besten kurz angestoßen oder zerdrückt. So können sich die Inhaltsstoffe besser im Wasser verteilen. Der süßliche Geschmack macht Fenchel und Anis auch für Kräutertees interessant, die sonst recht herb ausfallen würden.
Aufguss oder Abkochung?
Nicht jedes Pflanzenteil wird gleich zubereitet.
Bei Blättern, Blüten und dem zarten Kraut reicht normalerweise ein Aufguss. Die Kräuter werden mit kochendem Wasser übergossen und einige Minuten zugedeckt ziehen gelassen.Das Zudecken hat seinen guten Grund: Ätherische Öle können mit dem Wasserdampf entweichen. Der Deckel hält einen Teil davon im Gefäß. Für einen klassischen Kräuteraufguss eignen sich etwa 5 bis 10 Minuten Ziehzeit. Danach wird der Tee abgeseiht.
Bei harten Pflanzenteilen wie bestimmten Wurzeln oder Rinden kann dagegen eine Abkochung sinnvoll sein. Die Pflanzenteile werden dabei zunächst mit Wasser angesetzt und anschließend einige Minuten sanft gekocht. Bei jeder Pflanze lohnt sich ein Blick auf die jeweilige Zubereitungsempfehlung. Gerade bei Wurzeln und Rinden lässt sich die Methode nicht einfach von einem Kraut auf das andere übertragen.
Ein einfacher Tee für kalte Tage 🌿
Für eine kräftige Kräutermischung kannst du beispielsweise diese vier Pflanzen miteinander kombinieren:
- Thymiankraut
- Spitzwegerichkraut
- Holunderblüten
- leicht zerstoßene Fenchelsamen
Die Kräuter zu gleichen Teilen mischen. Für eine Tasse etwa 1 bis 2 Teelöffel der Mischung mit kochendem Wasser übergießen, das Gefäß zudecken und ungefähr 8 Minuten ziehen lassen. Danach abseihen. Wer mag, kann den Tee nach dem Abkühlen mit etwas Honig süßen. Nicht kochend heiß, sondern angenehm warm. Und dann einfach die Tasse in beide Hände nehmen. Gerade an einem kalten Wintertag braucht es manchmal gar nicht viel.
Noch ein Wort zur Sicherheit
Kräutertee kann eine angenehme Begleitung bei einer Erkältung sein. Er ersetzt aber keine medizinische Abklärung. Bei hohem oder länger anhaltendem Fieber, Atemnot, starken Schmerzen, deutlicher Verschlechterung oder anderen ungewöhnlichen Beschwerden sollte ärztlicher Rat eingeholt werden. Auch bei Kräutern gilt: Natürlich bedeutet nicht automatisch harmlos. Herkunft, Dosierung, Zubereitung und persönliche Verträglichkeit spielen eine Rolle. Bei Schwangerschaft, Kindern, chronischen Erkrankungen oder regelmäßiger Medikamenteneinnahme sollte die Auswahl geeigneter Heilpflanzen vorher fachlich abgeklärt werden. Für einen guten Kräutertee braucht es jedenfalls keine exotischen Zutaten. Viele Pflanzen, die unsere Großmütter noch ganz selbstverständlich verwendet haben, wachsen bei uns direkt vor der Haustür. 🌱


