Jännerzeit – Wenn Verkühlungen und Grippe Hochsaison haben

Der Jänner ist ein Monat der Kälte, der kurzen Tage und der geschlossenen Räume. Für unseren Körper bedeutet das eine besondere Herausforderung: Das Immunsystem arbeitet auf Hochtouren, während Kälte, trockene Heizungsluft und wenig Sonnenlicht die Abwehr schwächen können. In der Volksheilkunde gilt diese Zeit daher als Phase der Vorbeugung, Stärkung und sanften Unterstützung.


🌿 Vorbeugung – Stärkung von innen

In der traditionellen Naturheilkunde steht im Winter nicht das schnelle Eingreifen, sondern das langsame Aufbauen der Kräfte im Vordergrund.

  • Immunsystem stärken:
    Pflanzen wie Hagebutte, Holunder, Sanddorn oder Thymian wurden seit jeher genutzt, um die körpereigene Abwehr zu unterstützen. Sie liefern wertvolle sekundäre Pflanzenstoffe und begleiten den Organismus durch die kalte Jahreszeit.

  • Wärme bewahren:
    Kalte Füße und Zugluft galten schon früher als Auslöser für Erkältungen. Warme Kleidung, vor allem im Nieren- und Halsbereich, ist in der Volksheilkunde ein zentraler Schutzfaktor.

  • Rhythmus & Ruhe:
    Der Körper braucht im Winter mehr Schlaf und Pausen. Regelmäßige Ruhezeiten helfen, die Abwehrkräfte stabil zu halten.


🍵 Wenn erste Symptome auftreten

Zeigen sich erste Anzeichen wie Frösteln, Halskratzen oder Müdigkeit, empfiehlt die Volksheilkunde, frühzeitig gegenzusteuern – sanft und unterstützend.

  • Schleimhäute pflegen:
    Kräuter wie Salbei, Spitzwegerich oder Eibisch werden traditionell bei Reizungen im Hals- und Rachenraum eingesetzt.

  • Atemwege unterstützen:
    Thymian, Alant oder Anis gelten als bewährte Begleiter bei Husten und verschleimten Bronchien.

  • Fieber & Schwitzen:
    Holunderblüten oder Lindenblüten wurden früher genutzt, um den Körper beim „Ausleiten“ zu unterstützen – Fieber galt als natürlicher Reinigungsprozess.


🧘‍♀️ Körper & Seele nicht vergessen

In der Volksheilkunde wird Krankheit nie isoliert betrachtet. Verkühlungen werden auch als Zeichen gesehen, dass der Körper eine Pause einfordert.

  • Stress reduzieren:
    Anhaltender Stress schwächt die Abwehr. Beruhigende Pflanzen wie Melisse, Lavendel oder Baldrian helfen, zur Ruhe zu kommen.

  • Frische Luft & Licht:
    Kurze Spaziergänge bei Tageslicht – auch bei Kälte – unterstützen Kreislauf, Stimmung und Immunsystem.


🌙 Wann Ruhe wichtiger ist als Aktivität

Ein zentraler Gedanke der Volksheilkunde lautet: Auskurieren statt Durchhalten.
Wer bei Infekten zu früh wieder „funktioniert“, riskiert Rückfälle oder langwierige Verläufe. Ruhe, Wärme und Geduld gelten als Teil der Heilung.


Vorbeugung bedeutet nicht, Krankheiten zu vermeiden um jeden Preis, sondern den Körper so zu unterstützen, dass er mit Belastungen besser umgehen kann.
Mit Wärme, Ruhe, bewährten Heilpflanzen und einem guten Gespür für die eigenen Grenzen lässt sich diese Zeit gestärkt und bewusst durchschreiten. ❄️💚

Kärnten: Friesacher Mathilde

Rituale im Jänner – Ein Neubeginn im Zeichen der Stille

Die erste Woche im Jänner fühlt sich oft an wie ein sanfter Zwischenraum. Die festlichen Tage sind vorbei, das alte Jahr verabschiedet, das neue hat gerade erst begonnen. In vielen Regionen Europas – besonders in Österreich – gilt diese Zeit seit Jahrhunderten als Phase der Reinigung, des Neubeginns und der inneren Ausrichtung.

Während draußen die Natur ruht, ziehen sich viele Rituale nach drinnen zurück – in Häuser, Stuben und in die eigene Seele. Die Jännerwoche ist wie ein stiller Atemzug, der uns hilft, bewusst ins neue Jahr zu starten.

🕯️ Räuchern & Reinigen – Altes verabschieden, Neues willkommen heißen

Die Tage rund um den Jahreswechsel zählen in der Volkskultur zu den Rauhnächten. Auch wenn die letzte eigentliche Rauhnacht am 5./6. Jänner endet, wird in vielen Familien noch die gesamte erste Woche genutzt, um:

  • Häuser und Wohnungen zu räuchern
  • schlechte Energien des alten Jahres zu verabschieden
  • Klarheit und Schutz für das neue Jahr einzuladen

Beliebte Räucherkräuter sind Beifuß, Wacholder, Fichtenharz, Salbei und Engelwurz.
Das Räuchern wird traditionell als eine Art „Seelenlüftung“ gesehen – ein Ritual, das innerlich wie äußerlich Raum schafft.

🔮 Orakeln & Jahresimpulse – Auf die innere Stimme hören

Die ersten Jännertage wurden früher oft für kleine Orakelrituale genutzt – nicht im Sinne von Vorhersagen, sondern als spirituelle Auseinandersetzung mit sich selbst.

Beliebt waren:

  • das Ziehen einer Jahreskarte (z. B. aus Kräuterkarten oder Symbolkarten)
  • das Schreiben von Wünschen und Zielen
  • das Verbrennen alter Notizen oder Sorgen
  • das Lauschen auf Träume – sie galten als bedeutungsvoll für das neue Jahr

Diese Rituale helfen dabei, das Jahr nicht nur rational zu planen, sondern es tiefgründig, mit Intuition und Achtsamkeit zu starten.

🌿 Ruhe, Rückzug & Stärkung – Volksheilkunde im Wintermodus

Die Volksheilkunde sieht die erste Jännerwoche als Zeit, in der der Körper Regeneration braucht:

  • beruhigende Kräutertees wie Melisse, Hopfen oder Lavendel
  • wurzlige Winterkräuter wie Engelwurz, Alant oder Süßholzwurzel zur Stärkung der Atemwege
  • Hagebutte und Sanddorn zur Unterstützung des Immunsystems
  • warme Fußbäder, Einreibungen und kleine Wohlfühlrituale

Diese Tage wirken wie ein natürliches „Reset“ – sie helfen, die Mitte zu finden, bevor der Alltag wieder an Fahrt gewinnt.

❄️ Perchtenbrauch & Heiligen Drei Könige – Schutz, Segen, Licht

Rund um den 5. und 6. Jänner begegnen wir zwei traditionellen Ritualen, die im Alpenraum tief verwurzelt sind:

👹 Perchtenläufe

Die Perchten, die mit der Sagengestalt der Frau Perchta verbunden sind, sollen mit ihrem lauten Geläut (Glocken, Schellen) die bösen Geister des Winters austreiben und Glück und Fruchtbarkeit für das neue Jahr bringen. Sie verdeutlichen, dass Licht und Dunkel immer zusammengehören – ein Thema, das perfekt zum Jahresanfang passt.

👑 Heilige Drei Könige

Am 6. Jänner endet die weihnachtliche Zeit. Es ist ein Tag des Segens:
Kinder und Jugendliche bringen als Sternsinger den Haussegen („C+M+B“) – Schutz vor Krankheit, Unglück und Unfrieden für das neue Jahr.

Dieses Ritual verbindet Spiritualität, Gemeinschaft und Fürsorge – ein starker Start in den Jänner.


Für einen achtsamen Start ins Jahr:
Die erste Jännerwoche ist prädestiniert dafür, langsam und mit offenen Sinnen zu beginnen. Rituale aus Brauchtum und Volksheilkunde gewährleisten Klarheit, das Loslassen von Belastendem und das Schöpfen neuer Kraft.

Es ist eine Woche, in der nicht das „Tun“, sondern das Zu-sich-Finden im Mittelpunkt steht – ein Geschenk zum Jahresbeginn. ❄️✨